MEINE LIEBLINGSGESCHICHTEN Eine kleine Nachlese

Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz etwa sprach sehr einfühlsam über ihre Rückkehr nach Graz, die zum einen sehr geprägt ist von der Sorge um ihren kranken Vater, zum anderen von guten Erinnerungen an ihre Jugend hier und die Stadtpfarrkirche, an der sie auch als Chorsängerin wirkt. Sie sei sehr dankbar für die Gemeinschaft, wie die Kirche sie „als Zuflucht und Schutz“ bietet, so Aglaia Szyszkowitz, die für ihre Lesung Aufheiterndes von Loriot und traurig-melancholische Liebesgedichte von Erich Fried und Berthold Brecht wählte, darunter „Ich will mit dem gehen, den ich liebe.“ Stadtpfarrpropst Ewald Pristavec wählte mit „Das Mädchen ohne Hände“ ein kaum bekanntes Märchen der Gebrüder Grimm aus, in dem Gott und Engel in Erscheinung treten und letztlich alles zum Guten führen.
Schauspieler Franz Solar brachte „Wilhelm und die Musik“ von Ulla Hahn, einer der bedeutendsten Lyrikerinnen der Gegenwart, zu Gehör. Sie erzählt darin die Geschichte von einem, der sein Glück so sehr in der Stille findet, dass er sie heiratet.
Schauspielerin Ninja Reichert zog mit Texten von Ingeborg Bachmann in ihren Bann, darunter die Rede „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“, die Bachmann 1959 anlässlich der Verleihung des Hörspielpreises der Kriegsblinden hielt.
Schauspieler Fredrik Jan Hofmann, dessen Mutter Schwedin ist, brachte die hoffnungsvolle Geschichte „Sonnenau“ von Astrid Lindgren mit, in der die Waisenkinder Matthias und Anna ihrem kummervollen Dasein entrinnen und das paradiesische Sonnenau finden.
Bischof Wilhelm Krautwaschl schießlich las aus dem Buch „Hoffnungswege“ von François Xavier Kardinal Nguyên Van Thuân und erzählte die zutiefst bewegende Lebensgeschichte von einem, der 13 Jahre im Gefängnis war. In der Meditation „Meine schönste Kathedrale“ heißt es: „Im Dunkel des Glaubens, im Dienst, in der Demütigung, änderte das Licht der Hoffnung meine Sichtweise: Mittlerweile war dieses Schiff, dieses Gefängnis, meine schönste Kathedrale, und diese Gefangenen bildeten ohne jegliche Ausnahme das Volk Gottes, das meiner pastoralen Fürsorge anvertraut war. Meine Gefangenschaft war göttliche Vorsehung, war Gottes Wille.“ Und der Kardinal ermutigte: „Wir sind berufen, kleine Sonnen zu sein neben der großen Sonne, die Gottes Liebe ist.“
„Wir sind total bereichert“, bedankten sich die Zuhörenden für diese besonderen Vorlesestunden, die wohl noch lange nachklingen werden.
Gertraud Schaller-Pressler
MEINE LIEBLINGSGESCHICHTEN
im Rahmen des Österreichischen Vorlesetags 2025
am 28. März 2025 in der Stadtpfarrkirche Graz
Veranstalter: Kirchen Kultur Graz und Bischöfliches Amt für Schule und Bildung der Diözese Graz-Seckau
Gefördert aus Innovationsmitteln der Diözese Graz-Seckau
Fotos: Michael Schaller, Gerd Neuhold
Siehe auch: Kirche Steiermark: Meine Lieblingsgeschichten - Steiermark | SONNTAGSBLATT